Lebensretter in Reichweite: Wo hängt der nächste Defi?
Bei einem Herzstillstand zählt jede Minute. Gemeinsam mit dem Verein „Bürger retten Leben“ arbeitet die Stadt Germering daran, mehr öffentlich zugängliche Defibrillatoren zu schaffen und Bürger für deren Einsatz zu schulen.

StartseiteLokalesFürstenfeldbruckGermeringStand:29. 07. 2026, 10:00 UhrKommentareUns auf Google folgenHalten das druckfrische Gesundheitsmagazin der Stadt „Herz Impuls“ in der Hand: (v. l. ) Jochen Müller (Vorsitzender „Bürger retten Leben“), OB Daniel Liebetruth und Peter Schneider (Geschäftsführer Verlag für Kommunale- und Wirtschaftsmedien, Wikom-Media). © Carina OttillingerBei einem Herzstillstand zählt jede Minute. Gemeinsam mit dem Verein „Bürger retten Leben“ arbeitet die Stadt Germering daran, mehr öffentlich zugängliche Defibrillatoren zu schaffen und Bürger für deren Einsatz zu schulen. Germering – Wer in einen Unfall gerät, muss zunächst sich selbst und das Opfer in Sicherheit bringen und den Notruf absetzen. Aber was, wenn die verletzte Person nicht mehr atmet? Bei einem Herzstillstand zählt jede Minute. Bis der Rettungswagen kommt, könnte es bereits zu spät sein. Ein Defibrillator kann helfen, diese Zeit zu überbrücken. Doch wissen die meisten überhaupt, wo der nächste Schockgeber hängt? Genau das wollen die Stadt Germering und der Verein „Bürger retten Leben“ ändern. Sie arbeiten daran, das Netz öffentlich zugänglicher Defibrillatoren auszubauen – und gleichzeitig die Hemmschwelle vor ihrem Einsatz zu senken. „Im Zentrum steht ein ernstes Thema: Wo findet man im Ernstfall einen Defibrillator?“, sagte Oberbürgermeister Daniel Liebetruth bei der Vorstellung des ersten Germeringer Gesundheitsmagazins „Herz Impuls“. Viele Menschen wüssten weder, wo das nächste Gerät zu finden sei, noch trauten sie sich, es einzusetzen. Dabei können sogenannte AEDs (automatisierte externe Defibrillatoren) Leben retten. In Deutschland sterben jedes Jahr rund 150. 000 Menschen am plötzlichen Herztod. Wird innerhalb von drei Minuten nach einem Herzstillstand ein Defibrillator eingesetzt und gleichzeitig mit der Wiederbelebung begonnen, steigt die Überlebenschance auf bis zu 75 Prozent. Genau hier setzt der Nürnberger Verein „Bürger retten Leben“ an. Gemeinsam mit Kommunen, Unternehmen und Verbänden organisiert er sogenannte Cardio-Days. In Germering fand die erste Veranstaltung im Februar statt. Weil das Interesse so groß war, soll sie im Herbst wiederholt werden. Auch auf dem nächsten Stadtfest wird der Verein vertreten sein. Dort können Besucher selbst ausprobieren, wie ein Defibrillator funktioniert und was im Notfall zu tun ist. „Der Laie hat Angst vor der Verantwortung oder dem Strom“, sagt Vereinsvorsitzender Jochen Müller. Dabei führe das Gerät Schritt für Schritt durch den gesamten Ablauf – vom Einschalten über das Anbringen der Elektroden bis zum Stromstoß. Den Herzrhythmus prüft der Defibrillator selbst und gibt nur dann einen Stromschlag ab, wenn er nötig ist. „Viele sagen nach der Schulung: So einfach ist es. “ Nach seinen Worten seien auf diese Weise bereits zahlreiche Menschenleben gerettet worden. Bisher hat Germering sieben öffentlich zugängliche Defi-Standorte. © Grafik Münchner MerkurNeben der Aufklärung geht es aber auch um den Ausbau des Defi-Netzes. Ziel des Vereins ist es, dass ein Defibrillator von jedem Standort innerhalb von zwei Minuten erreichbar ist. „Germering ist auf einem guten Weg“, sagt Müller. Ganz flächendeckend sei die Versorgung aber noch nicht. „Wir haben sicher noch Potenzial“, ergänzt Liebetruth. Derzeit gibt es in Germering sieben öffentlich zugängliche Defibrillatoren (siehe Karte). Bis auf das Gerät des TSV Unterpfaffenhofen-Germering sind sie allerdings an Öffnungszeiten gebunden. Es fehlen vor allem Standorte in Harthaus, rund um den Waldfriedhof und im Bereich des Rathauses. Deshalb sucht die Stadtverwaltung weitere Partner. Besonders geeignet seien Banken mit ihren rund um die Uhr zugänglichen Automatenbereichen, aber auch Tankstellen, Gaststätten oder Unternehmen. „Es ist gut, wenn Betriebe oder Geschäfte einen Defi haben, aber noch besser ist es, wenn er 24 Stunden am Tag zugänglich ist“, sagt Peter Schneider von Wikom-Media, der gemeinsam mit dem Verein das Gesundheitsmagazin herausgegeben hat. Möglich sei daher auch ein Sponsoring-Modell: Unternehmen könnten einen Defibrillator finanzieren, der an einem städtischen Standort – etwa an einer Bushaltestelle – installiert wird. Die Stadt könnte in diesem Fall die logistische Organisation und die regelmäßige Sichtkontrolle übernehmen. Ein öffentlich zugänglicher Defibrillator kostet laut Verein rund 2. 000 Euro, hinzu kommen etwa 600 Euro für einen Außenkasten. Die Geräte halten etwa acht Jahre und überprüfen ihre Funktion regelmäßig selbst. Denkbar sei auch, dass sich Bewohner größerer Mehrfamilienhäuser zusammenschließen und gemeinsam einen Defibrillator anschaffen – vor allem dort, wo viele Senioren wohnen. Aber auch Defibrillatoren für Kinder oder für den Wanderrucksack seien eine Option. Denn Schneider macht deutlich: „Ein Herzstillstand kann jeden treffen. “Infos rund umden Kampf gegen den plötzlichen Herztod gibt es unter www. buerger-retten-leben. de. Auf der kostenlosen CISALI-Notfall-App sind alle öffentlich zugänglichen Defi-Standorte zu sehen. Vereine und Firmen können dort Defis eintragen.