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Wer Bitcoin erfunden hat – und warum es besser niemand wissen sollte

Kaum eine Figur der modernen Technologie-Geschichte ist so geheimnisumwittert wie Satoshi Nakamoto. Unter diesem Namen veröffentlichte am 31. Oktober 2008 ein Teilnehmer einer kleinen Mailingliste für. . .

Von @morgenpost · · 4 min Lesezeit

Wer Bitcoin erfunden hat – und warum es besser niemand wissen sollte

Kaum eine Figur der modernen Technologie-Geschichte ist so geheimnisumwittert wie Satoshi Nakamoto. Unter diesem Namen veröffentlichte am 31. Oktober 2008 ein Teilnehmer einer kleinen Mailingliste für Kryptografie-Enthusiasten ein neunseitiges Dokument mit dem Titel „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“. Was zunächst wie ein weiteres Experiment aus der Nische der Cyperpunks wirkte, entwickelte sich zu einer der folgenreichsten Erfindungen des digitalen Zeitalters. Heute, im Jahr 2026, verwaltet das Bitcoin-Netzwerk Vermögenswerte im Billionenbereich. Staaten diskutieren über strategischeBitcoin-Reserven, Vermögensverwalter bieten börsengehandelte Spot-ETFs an und Millionen Menschen weltweit besitzen dieKryptowährung. Doch eine fundamentale Frage blieb bis heute unbeantwortet: Wer war Satoshi Nakamoto?Für Roman Reher, Gründer der Bildungsplattform Blocktrainer und einer der bekanntesten Bitcoin-Analysten im deutschsprachigen Raum, wird die Bedeutung dieser Frage grundlegend überschätzt. „Für Bitcoin spielt es letztlich überhaupt keine Rolle, wer es erfunden hat“, ordnet Reher ein. „Das Netzwerk ist vollkommen dezentral organisiert und die Funktionsweise ist für jeden offen einsehbar. Selbst wenn sich Satoshi heute plötzlich doch outen würde, hätte er keinerlei Macht, um Veränderungen am Protokoll zu erzwingen. “Die Geburt von BitcoinAm 3. Januar 2009 setzte Nakamoto seine Idee erstmals in die Praxis um. Er erzeugte den sogenannten Genesis-Block, den allerersten Block der Bitcoin-Blockchain. Darin verewigte er eine Botschaft, die bis heute als unmissverständliches politisches Statement interpretiert wird: „The Times 03/Jan/2009 Chancellor on brink of second bailout for banks. “Die Schlagzeile der britischen Zeitung The Times lautete übersetzt: „Finanzminister steht kurz vor einem zweiten Rettungspaket für Banken“ und verwies auf die staatlichen Bankenrettungen während der Finanzkrise 2008/09. Für viele Bitcoin-Anhänger markiert genau dieser Moment die Geburtsstunde eines alternativen, zensurresistenten Geldsystems – unabhängig von Zentralbanken, Regierungen und klassischen Finanzinstituten. Wie alles begann: Screenshot des 2008 unter dem Namen Satoshi Nakamoto veröffentlichten Konzepts von Bitcoin. © christoph strobel | Christoph StrobelIn den folgenden zwei Jahren entwickelte Nakamoto die Software weiter, korrigierte Code, beantwortete Fragen in Krypto-Foren und koordinierte die ersten Schritte des Netzwerks. Dann verschwand er spurlos. Im April 2011 schrieb Nakamoto seine letzte bekannte Nachricht an den Entwickler Mike Hearn: „Ich widme mich inzwischen anderen Dingen. Bitcoin ist bei Gavin Andresen und der Community in guten Händen. “ Danach verschwand er aus der Öffentlichkeit. Die Jagd nach dem Bitcoin-ErfinderViele Forscher gehen heute fest davon aus, dass „Satoshi Nakamoto“ lediglich ein Pseudonym ist. Über Jahre hinweg wurde daher immer wieder versucht, dem Namen selbst eine tiefere Bedeutung zu entlocken. Zu den skurrileren Theorien zählt die Behauptung, der Name setze sich aus den Anfangssilben großer Technologiekonzerne zusammen: Samsung, Toshiba, Nakamichi und Motorola. Demnach hätte kein genialer Einzelgänger, sondern ein mächtiges Industriekonsortium hinter der Erfindung gestanden. Immer wieder glaubten Journalisten und Forscher, den Bitcoin-Erfinder identifiziert zu haben. Zu den bekanntesten Kandidaten zählt der Informatiker Nick Szabo, dessen Konzept „Bit Gold“ bereits Jahre zuvor viele verblüffend ähnliche Ideen enthielt. Auch Hal Finney, ein Kryptograf und einer der allerersten Bitcoin-Nutzer, wird häufig genannt. Er erhielt die erste dokumentierte Bitcoin-Transaktion direkt von Satoshi Nakamoto. Ein weiterer Kandidat ist der britische Kryptograf Adam Back, dessen Hashcash-System als direkter Vorläufer des Bitcoin-Minings gilt. >>Warum selbst Regierungen den Bitcoin nicht stoppen können. >Was passiert, wenn Bitcoin crasht?<<Durch sein Verschwinden entzog Nakamoto dem Bitcoin genau dieser Verwundbarkeit. Das Netzwerk gehört heute niemandem – nicht einem Unternehmen, nicht einer Stiftung, nicht einmal seinem Schöpfer. Für Reher liegt genau darin die fundamentale Stärke des gesamten Systems, die es auch für Nationalstaaten als neutrale Reservewährung attraktiv macht. „Es ist letztlich genauso wie bei der Entdeckung des Feuers oder der Erfindung des Rades“, resümiert Reher. „Die Identität des Erfinders hat keinerlei Auswirkung auf den unschätzbaren Nutzen und unsere tägliche Verwendung dessen. “Ein Rätsel für die EwigkeitFast zwei Jahrzehnte nach der Veröffentlichung des Whitepapers ist Bitcoin längst größer geworden als jede einzelne Person, die an seiner Entstehung beteiligt war. Das Netzwerk beruht auf kryptografischen Verfahren, die weder von Staaten noch mit heutiger Rechenleistung zu brechen sind. Langfristig könnten leistungsfähige Quantencomputer neue Herausforderungen schaffen. Reher sieht darin eine der wenigen technologischen Fragen, die Bitcoin künftig tatsächlich beschäftigen könnten. In der Entwicklergemeinschaft wird deshalb bereits an quantenresistenten Verfahren gearbeitet. Noch gilt dieses Szenario jedoch als Zukunftsmusik. Unabhängig davon funktioniert das erste globale, dezentrale Geldnetzwerk der Geschichte längst ohne seinen Schöpfer. Vielleicht wird eines Tages jemand die entscheidenden kryptografischen Beweise für seine Identität liefern. Vielleicht signiert Satoshi eine Nachricht mit einem der frühen privaten Schlüssel. Vielleicht bleibt das Rätsel aber auch für immer ungelöst.

Quelle: morgenpost.de

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