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Riskanter als Bitcoin: Südkoreas Börsenboom wird zur Falle

Der Kospi schwankt inzwischen stärker als Bitcoin. Gehebelte ETFs haben die KI-Rallye für viele südkoreanische Kleinanleger zur gefährlichen Verlustfalle gemacht. Über Monate kannte dersüdkoreanische Leitindex. . .

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Riskanter als Bitcoin: Südkoreas Börsenboom wird zur Falle

Der Kospi schwankt inzwischen stärker als Bitcoin. Gehebelte ETFs haben die KI-Rallye für viele südkoreanische Kleinanleger zur gefährlichen Verlustfalle gemacht. Über Monate kannte dersüdkoreanische Leitindex Kospinur eine Richtung: nach oben. Doch längst ähnelt sein Kurs einer Achterbahnfahrt. Dass der Kurs wie am Freitag praktisch unverändert bleibt, ist selten. Am Donnerstag schloss der Kospi mit fast fünf Prozent im Minus, am 28. brach der Leitindex gar um elf Prozent ein. In der südkoreanischen Gesellschaft, die zuletzt vom größten Börsenfieber seit Jahrzehnten gepackt wurde, haben sich die Schwankungen des Kospi zum politischen Streitthema entwickelt. Mehr noch: Viele Kleinanleger haben mit den rasanten Kursbewegungen einen erheblichen Teil ihrer Ersparnisse verloren. Denn sie gingen oft riskante Wetten auf steigende Kurse ein – mit gehebelten ETFs. Mitarbeiter der Hana Bank feiern bei einem Fototermin anlässlich des Anstiegs des Korea Composite Stock Price Index (KOSPI) auf über 7000 Punkte in einem Handelsraum der Hana Bank in Seoul, Südkorea. (Archivfoto)Lee Jin-man/AP/dpaDer südkoreanische Aktienmarkt galt lange als unattraktiv, besonders für internationale Großinvestoren. Denn zum einen wird der Markt von einer latenten geopolitischen Bedrohung überschattet, schließlich liegt das atomar hochgerüstete Nordkorea in direkter Nachbarschaft. Dazu kam die Intransparenz des Systems: Die großen Konzerne des Landes, im Koreanischen „Chaebol“ genannt, werden von mächtigen Eigentümerfamilien geleitet. Diese, so lautete stets der Vorwurf, würden eher für die eigenen Interessen wirtschaften, anstatt die Anliegen von Minderheitsaktionären im Blick zu behalten. Dementsprechend waren südkoreanische Aktien trotz eines respektablen Wachstums der Volkswirtschaft vergleichsweise günstig zu erwerben. Unter Ökonomen wurde das „Korea Discount“ genannt. ANZEIGEANZEIGEWarum Südkoreas Wirtschaft massiv vom KI-Hype profitiert hatDer Kospi dümpelte lange ohne spektakuläre Schwankungen vor sich hin. Ehe im Sommer vergangenen Jahres eine beispiellose Rallye begann: Zwischen Juni 2025 und Juni 2026 kletterte der Leitindex von 3. 000 auf über 9. 000 Punkte. Angetrieben wurde der historische Anstieg durch den massiven Boom um Künstliche Intelligenz. Insbesondere Südkoreas Halbleiterproduzenten Samsung Electronics und SK Hynix konnten massiv von der weltweit rasant gestiegenen Nachfrage profitieren. Denn sie stellen jene Speicherchips her, die für KI-Rechenzentren, Smartphones oder Hochleistungscomputer unersetzlich sind. Gleichzeitig ging auch ein politischer Wandel mit dem Bullenmarkt einher. Der seit letztem Sommer amtierende Präsident Lee Jae Myung hat es sich zur Aufgabe gemacht, den koreanischen Aktienmarkt wiederzubeleben. Intuitiv mag dies für einen linksgerichteten Politiker überraschend erscheinen. Doch der 62-Jährige ist überzeugt davon, dass die Bevölkerung einen viel zu hohen Anteil ihrer Ersparnisse in Immobilien gesteckt hat. Die daraus resultierenden hohen Wohnpreise würden die soziale Ungleichheit im Land verschärfen. Stattdessen hat der Präsident Anreize gesetzt, um einfacher in den heimischen Aktienmarkt zu investieren. Die Hoffnung war, dass die Bevölkerung gleichmäßiger von den Wohlstandsgewinnen profitieren könne. Der südkoreanische Präsident Lee Jae Myung (M) reicht dem Vorsitzenden von Samsung Electronics, Lee Jae-yong (r), und des Vorsitzenden der SK Group, Chey Tae-won, während ihres Treffens im Präsidentenpalast „Blue House” die Hände. Kim Min-Hee/Pool KYODONEWS/AP/dpaViele, vornehmlich junge Koreaner sind Lees Aufruf gefolgt. Doch ihr Anlageverhalten ist im internationalen Vergleich überproportional riskant: In einer Kultur, in der stets alles schnell gehen muss und in der viele Millennials das Gefühl haben, durch reine Erwerbsarbeit keinen Wohlstand mehr anhäufen zu können, haben sie en masse gehebelte Kospi-Wertpapiere gekauft. Dabei werden sowohl die Gewinne als auch die Verluste eines Aktienwertes vervielfacht - oft bis zum Faktor fünf. Inspiriert werden die Koreaner durch Influencer auf den sozialen Medien, die davon berichten, wie sie mit genau jener Methode schon jung finanzielle Unabhängigkeit erreicht haben. Hinzukommt die Fear of Missing Out" ("FOMO"), also die Angst, die rasant steigenden Kurse zu verpassen. Doch die Risiken des Aktienhandels werden oft verschwiegen. Beim Kospi schlugen sie während der letzten Monate zu: Durchbrach der Index Mitte Juni noch die 9. 000-Punkte-Marke, lag er gegen Ende Juli unter 6. 000 Punkten. Seither ging es, quasi im Tageswechsel, rasant auf und ab. Teils mehrfach pro Woche musste der Handel des Kospi wegen der starken Kursschwankungen vorübergehend ausgesetzt werden. Eine Studie des südkoreanischen Beratungsunternehmens "Shinhan Investment & Securities" kam zu einem besorgniserregenden Fazit: Die Volatilität des Kospi liegt derzeit sogar deutlich über der von Bitcoin. Park Woo Yeol, Analyst bei "Shinhan Investment & Securities", warnte insbesondere vor den Gefahren gehebelter ETFs: "Anleger sollten sich erst dann mit ihnen auseinandersetzen, wenn sie deren Struktur und Risikomerkmale vollständig verstanden haben. "Volatilität des Aktienmarkts bringt Präsident Lee unter DruckDie Volatilität des Kospi hat verschiedene Gründe. Zum einen hängt sein Kurs überproportional stark von wenigen großen Unternehmen ab, insbesondere den Speicherchip-Produzenten Samsung Electronics und SK Hynix. Diese sind eng an die Nachfrage rund um KI gekoppelt - einer Branche, die zwischen endlosem Boom und Sorgen vor einer KI-Blase oszilliert. Dazu kommt, dass der Kospi ein relativ kleiner Leitindex ist, in dem viele ausländische Anleger investiert sind. Ziehen diese ihre Gelder ab, hat dies starke Kursschwankungen zur Folge. Hinter den Kleinanlegern, die in gehebelte Aktienpapiere investiert haben, stehen oft tragische Schicksale. Viele haben sich Geld auf Kredit geliehen, um es in Aktien zu stecken. Binnen weniger Wochen sind sie auf dem Papier reich geworden, nur um wenig später ihr Geld wieder zu verlieren. Warum junge Koreaner dazu neigen, solch riskante Wetten einzugehen, hat vor allem sozioökonomische Gründe. Es gibt eine gesellschaftlich tief verwurzelte Erwartung, dass zu einer gesicherten Existenz ein Eigenheim gehört. Die Immobilienpreise sind aber in den letzten Dekaden deutlich rasanter gestiegen als die Arbeitslöhne, sodass viele junge Koreaner das Gefühl haben, nur durch hohe Renditen zum Ziel einer eigenen Wohnung zu gelangen. Dementsprechend steht Südkoreas Präsident Lee Jae Myung unter Druck. Denn nachdem der 62-Jährige den zunächst stark gestiegenen Kospi als Erfolg auf seine Fahnen geheftet hatte, wird er nun öffentlich für dessen Schwäche verantwortlich gemacht. In einer ersten Reaktion hat die Regierung den Handel mit gehebelten Aktien stärker reguliert - und damit für Privatanleger deutlich erschwert. Bislang jedoch richtet sich die öffentliche Stimmung gegen Präsident Lee: Laut einer Umfrage sind seine Zustimmungswerte mit 45,9 Prozent auf den niedrigsten Wert seit Beginn seiner Amtszeit gesunken. dpa

Quelle: kurse.focus.de

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