New York stoppt Mega-Rechenzentren Bitcoin-Miner zittern um KI
New York bremst den Ausbau großer Rechenzentren vorerst aus – und genau das könnte für Bitcoin-Miner zum Problem werden, die ihr Geschäft gerade in Richtung Künstliche Intelligenz umbauen. Mit einem vorübergehenden Genehmigungsstopp für neue oder erweiterte Anlagen ab 50 Megawatt setzt der Bundesstaat ein frühes Signal: Der Boom rund um KI-Infrastruktur stößt zunehmend auf politische

New York bremst den Ausbau großer Rechenzentren vorerst aus – und genau das könnte für Bitcoin-Miner zum Problem werden, die ihr Geschäft gerade in Richtung Künstliche Intelligenz umbauen. Mit einem vorübergehenden Genehmigungsstopp für neue oder erweiterte Anlagen ab 50 Megawatt setzt der Bundesstaat ein frühes Signal: Der Boom rund um KI-Infrastruktur stößt zunehmend auf politische und gesellschaftliche Grenzen. New York stoppt vorerst einen Teil neuer GroßprojekteAm 14. Juli unterzeichnete Gouverneurin Kathy Hochul eine Anordnung, nach der unvollständige Genehmigungsanträge für neue oder wachsende Rechenzentren mit einem Strombedarf von mindestens50 Megawattvorerst auf Eis gelegt werden. Während dieser Pause wollen die Behörden prüfen, welche Folgen solche Projekte fürStromnetz, Wasserversorgung, Luftqualität, Lärm und Anwohnerhaben. Wichtig ist: Es handelt sich nicht um einen kompletten Baustopp für alle Rechenzentren in New York. Anträge, die bereits als vollständig eingestuft wurden, können weiterlaufen. Auch lokale Genehmigungen sind von der Anordnung nicht direkt betroffen. Trotzdem wird damit ein Teil der Projektpipeline gestoppt – und das könnte spürbare Folgen haben. New York greift damit auf ein bekanntes Muster zurück. Bereits 2022 hatte der Bundesstaat ein zweijähriges Moratorium für bestimmte Genehmigungen von fossilen Kraftwerken beschlossen, die Strom direkt an Proof-of-Work-Mining-Betriebe liefern. Damals stand Bitcoin-Mining selbst im Fokus, diesmal richtet sich der Blick breiter auf große digitale Infrastruktur fürKI, Cloud-Dienste und Hochleistungsrechnen. Bitcoin-Mining wird in der neuen Regelung zwar nicht ausdrücklich genannt. Dennoch betrifft sie genau die Art von Anlagen, auf die viele Miner inzwischen setzen: große Standorte mit viel Stromanschluss, Umspannwerken und Industrieflächen, die sich für KI-Rechenzentren umrüsten lassen. Warum Bitcoin-Miner so stark auf KI setzenViele börsennotierte Bitcoin-Miner versuchen seit Monaten, sich unabhängiger vom schwankenden Kryptomarkt zu machen. Ihr Plan: Sie wollen die Infrastruktur, die ursprünglich für das Schürfen von Bitcoin aufgebaut wurde, fürKI- und HPC-Anwendungennutzen. Der Grund liegt auf der Hand: KI-Verträge versprechen planbarere und langfristigere Einnahmen. Nach Branchenschätzungen haben öffentliche Mining-Unternehmen bereitsmehr als 70 Milliarden US-Dollaran Verträgen rund um KI-Hosting und High-Performance-Computing angekündigt. CoinShares-Valkyrie-Stratege Matthew Kimmell rechnet sogar damit, dass KI bis Ende 2026 rund80 Prozent der Erlöseöffentlicher Miner ausmachen könnte. Der Hintergrund ist der enorme Investitionsboom im KI-Sektor. Goldman Sachs schätzt, dass die jährlichen Investitionen in KI-Infrastruktur bis 2026 auf765 Milliarden US-Dollarsteigen könnten. Bis 2031 sei sogar ein Volumen von1,6 Billionen US-Dollarmöglich. Investiert wird vor allem in Rechenzentren, Chips, Stromerzeugung, Netzausbau und Kühlsysteme. Genau hier glauben viele Bitcoin-Miner, einen Vorteil zu haben. Sie verfügen oft schon übergeeignete Grundstücke, leistungsstarke Netzanschlüsse und energiereiche Standorte, die neue Entwickler erst über Jahre aufbauen müssten. Außerdem kennen sie den Betrieb stromintensiver Computeranlagen im Dauerbetrieb. Allerdings ist der Wechsel von Bitcoin zu KI technisch und finanziell aufwendig. Die spezialisierten ASIC-Maschinen aus dem Mining eignen sich in der Regel nicht für KI-Workloads. Betreiber müssen daher inGPUs, Netzwerktechnik, Notstromsysteme und bessere Kühlunginvestieren. Das ist teuer, erscheint vielen Firmen aber dennoch attraktiv, weil KI-Aufträge oft überzehn Jahre oder längerlaufen können. Dieser Schritt ist auch deshalb wichtig, weil Bitcoin-Mining wirtschaftlich schwieriger geworden ist. Laut CoinShares lagen die durchschnittlichen Cash-Kosten zur Produktion eines Bitcoin bei börsennotierten Minern im vierten Quartal 2025 bei rund79. 995 US-Dollar. Gleichzeitig gerieten die Erträge pro Recheneinheit unter Druck. KI gilt deshalb als Chance, Stromkapazität in verlässlichere Infrastrukturumsätze umzuwandeln. Widerstand gegen Rechenzentren wächst – und das könnte teuer werdenNew York steht mit seiner Haltung nicht allein. In den USA wächst der Widerstand gegen große Rechenzentren, weil sie enorme Mengen anStrom, Wasser und Infrastrukturbenötigen. Eine Gallup-Umfrage vom März ergab, dass71 Prozentder US-Erwachsenen ein KI-Rechenzentrum in ihrer Nähe ablehnen. Viele Befragte sorgen sich vor allem um Umweltfolgen, steigende Stromkosten, Verkehrsbelastung und die Auswirkungen auf lokale Gemeinden. Auch politisch wird das Thema größer. Laut der National Conference of State Legislatures hatten bis Anfang Juli15 Bundesstaatenüber Moratorien für Rechenzentren nachgedacht. In mehreren Staaten liegen entsprechende Vorschläge noch auf dem Tisch. Auf Bundesebene haben Senator Bernie Sanders und die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez sogar ein Gesetz für ein landesweites Moratorium bei KI-Rechenzentren vorgestellt. Noch sind viele dieser Vorstöße nicht bindend. Genau deshalb ist New Yorks Entscheidung so wichtig: Der Bundesstaat liefert nun ein konkretes Modell dafür, wie Regierungen den Ausbau bremsen können, während sie erst einmal die Folgen prüfen. Für Bitcoin-Miner könnte das schon kurzfristig finanzielle Folgen haben – selbst dann, wenn am Ende kein einziges Projekt endgültig abgelehnt wird. Verzögerte Genehmigungenbedeuten oft verspätete Baufortschritte, spätere Kundenzahlungen und höhere Finanzierungskosten. Unternehmen müssen weiter Schulden bedienen, obwohl ihre KI-Projekte noch keine Umsätze generieren. Hinzu kommt: KI-Rechenzentren sind deutlich teurer als klassische Mining-Anlagen. CoinShares schätzt die Kosten für Bitcoin-Mining-Infrastruktur auf etwa700. 000 bis 1 Million US-Dollar pro Megawatt. Bei KI-Anlagen liegen sie dagegen bei rund8 bis 15 Millionen US-Dollar pro Megawatt. Der Grund sind strengere Anforderungen an Kühlung, Ausfallsicherheit, Netztechnik und Dauerverfügbarkeit. Wenn weitere Bundesstaaten dem Beispiel New Yorks folgen, könnte sich der Umbau vieler Miner erheblich verteuern. Weniger verfügbare Standorte würden zudem die Verhandlungsposition vonEnergieversorgern und lokalen Behördenstärken. Diese könnten höhere Beiträge für Netzausbau, Steuern oder lokale Ausgleichsmaßnahmen verlangen. New York denkt bereits in diese Richtung. Die Anordnung von Hochul sieht vor, dass Regulierer unter anderem einenGrid Acceleration Fundprüfen sollen. Finanziert werden könnte er durch Vorauszahlungen von Rechenzentrumsbetreibern, um Netzausbau, Batteriespeicher oder neue saubere Stromquellen zu unterstützen. Denkbar ist auch ein Modell, bei dem große Stromverbraucher die von ihnen verursachten Infrastrukturkosten selbst tragen müssen. Unterm Strich bleibt: Der Zugriff auf Land, Umspannwerke und Stromanschlüsse ist für Bitcoin-Miner weiterhin wertvoll. Doch er allein reicht womöglich nicht mehr aus, um den Sprung ins KI-Geschäft schnell und günstig zu schaffen. Längere Entwicklungszeiten, höhere Investitionen und weniger geeignete Standortekönnten den KI-Schwenk der Branche deutlich komplizierter machen.