Hacker, Streitereien und Donald Trump: Diese Bitcoin-Bücher. . .
Das Sommerloch, das man nutzen könnte, um am Strand Bitcoin-Bücher zu lesen und sich entspannt über die Grundlagen des dezentralen, digitalen Geldes zu informieren, gibt es heuer nicht. Es sind wilde Zeiten. . .
Das Sommerloch, das man nutzen könnte, um am Strand Bitcoin-Bücher zu lesen und sich entspannt über die Grundlagen des dezentralen, digitalen Geldes zu informieren, gibt es heuer nicht. Es sind wilde Zeiten für Bitcoin. Zum einen scheitert der Preis hartnäckig an der Marke von 65. 000 Dollar, was die Sorge nährt, dass es noch weiter nach unten gehen könnte. Dazu machen Hacker der Bitcoin-Community das Leben schwer. Das Bitcoin-Protokoll und die Blockchain selbst wurden zwar noch nie gehackt – das ist die gute Nachricht. Das gilt jedoch nicht für jede Hardware-Wallet oder jede Anwendung außerhalb der Haupt-Blockchain. So ist es Angreifern gelungen, eine Schwachstelle bei den vermeintlich sicheren Hardware-Wallets von Coldcard auszunutzen und Bitcoin im Wert von 116 bis 130 Millionen Dollar zu erbeuten. Mehr dazuDie vielen ProblemeMöglich wurde das durch einen Firmware-Fehler des Anbieters, durch den die Seed-Wörter (eine Abfolge von Wörtern, mit denen man auf seine Bestände zugreift und die als Backup dienen) nicht ausreichend zufällig generiert wurden. Obwohl andere Hersteller solcher Geräte beteuern, dass bei ihnen ein solcher Fehler unmöglich sei, zerstört die Causa die Selbstsicherheit derer, die dachten, mit selbst verwahrten Seed-Wörtern wären sie jedenfalls auf der sicheren Seite. Bitcoin & BlockchainIn der Kolumne „Bitcoin & Blockchain“ geht es um technologische, rechtliche und finanzielle Entwicklungen im Bitcoin-Markt sowie die Geschichte des dezentralen digitalen Zahlungssystems. Auch wer mit Bitcoin Alltagszahlungen tätigen will, kann sich nicht ganz sicher fühlen: Hacker fanden Schwachstellen bei der Boltz-Exchange. Dieser Dienstleister ermöglicht es, Guthaben flexibel zwischen der Haupt-Blockchain und Zusatznetzwerken für kleine Zahlungen hin- und herzuschieben. Obwohl keine Kundengelder gestohlen wurden, hat Boltz diese Dienstleistungen vorerst eingestellt. Fast zeitgleich nutzten Angreifer eine Schwachstelle beim populären Open-Source-Zahlungsabwickler BTCPay aus, um digitale Geldbörsen leerzuräumen. Damit nicht genug, musste sich die Community auch noch mit einem erbitterten internen Regelstreit – einem sogenannten Softfork-Vorschlag namens BIP-110 – herumschlagen. Eine Gruppe von Programmierern wollte die Blockchain für zusätzliche Daten wie Bilder oder Texte sperren, um das System vor Spam (digitalem Datenmüll) zu schützen. Kritiker sahen darin jedoch einen Angriff auf die Zensurfreiheit von Bitcoin. Am Ende stimmte die Bitcoin-Gemeinschaft mit überwältigender Mehrheit gegen die geplante Einschränkung; der Antrag scheiterte. Und dann gibt es noch den Clarity Act in den USA, einen Gesetzesentwurf, der mehr Rechtssicherheit für Dienstleister rund um Krypto bringen soll und Bitcoin einen neuen Schub verleihen könnte. Das Gesetz droht aber zu scheitern, da es auch die Krypto-Geschäfte hochrangiger Politiker einschränken will, und das passt US-Präsident Donald Trump ganz und gar nicht. Er und seine Söhne haben bereits Milliarden mit Krypto-Geschäften verdient. Yan Pritzker Bitcoin entdecken Aprycot Media 116 SeitenAprycot MediaEin guter Anlass also, am Strand genau die Bücher zu lesen, die einem beim Verständnis dieser Ereignisse helfen. Wer sich als Anfänger mehr mit der Technik hinter Bitcoin beschäftigen will, dem sei das Buch „Bitcoin entdecken“ von Yan Pritzker aus dem Jahr 2020 ans Herz gelegt. Der Startup-Unternehmer und Berater erklärt, wie es bei Bitcoin gelungen ist, ohne Mittelsmänner auszukommen, was die Blockchain ist und wer sich darum kümmert. Es geht auch um Bitcoin-Wallets und Adressen, was diese sicher macht – und was nicht. Und es wird erklärt, wer bei Bitcoin eigentlich die Regeln macht: Die Nodes (Netzwerkknoten) führen eine bestimmte Software aus und können vorgeschlagene Änderungen annehmen oder nicht. Die Miner, die Transaktionen verifizieren und Blöcke an die Blockchain anhängen, entscheiden, welche Blöcke regelkonform sind und welche nicht. Die Nutzer können im Fall einer Aufspaltung der Blockchain (Hard Fork) entscheiden, welche Coins sie kaufen, und die Programmierer können Änderungen vorschlagen, die von der Community angenommen werden können oder eben nicht. Auch das Lightning-Netzwerk wird erklärt, jene zweite Schicht der Blockchain, auf der man schnell und kostengünstig kleine Zahlungen durchführen kann. Pritzker räumt zudem mit der Sorge auf, dass Bitcoin durch einen Konkurrenten verdrängt werden könnte. Eric Yakes Unveränderbares Geld Aprycot Media 392 SeitenAprycot MediaWer tiefer in die Materie der Bitcoin-Verschlüsselung eindringen will, kann sich das Buch „Unveränderbares Geld“ von Eric Yakes zu Gemüte führen. Im ersten Teil geht es um die monetären Hintergründe, doch im zweiten Teil wird erklärt, wie die Einweg-Hashfunktion SHA-256 beim Mining funktioniert und wie die elliptische Kurvenkryptografie bewirkt, dass man aus privaten Schlüsseln öffentliche Schlüssel ableiten kann, aber nicht umgekehrt. Wer das verstanden hat, begreift, warum der Coldcard-Fehler solche Auswirkungen hatte. Jonathan Bier The Blocksize War Aprycot Media 254 SeitenAprycot MediaJonathan Biers Buch „The Blocksize War“ (2021) beschreibt die Ereignisse der Jahre 2015 bis 2017, als die Bitcoin-Community über die zulässige Größe von Blöcken stritt. Die Big-Blocker fanden, größere Blöcke würden Bitcoin beim Skalieren helfen, da dann mehr Zahlungen in einem Block erfasst werden könnten. Die Small-Blocker fürchteten, dass die Blockchain dann zu stark anwachsen könnte und normale Menschen sie nicht mehr regelmäßig auf ihren Computern aktualisieren und überwachen könnten: Es würde dann weniger sogenannte Nodes geben, und Bitcoin wäre weniger dezentral. Die Small-Blocker setzten sich durch, die Big-Blocker spalteten sich ab und schufen Bitcoin Cash. Wer das gelesen hat, versteht, wie Entscheidungsfindung in einem dezentralen Netzwerk funktioniert und was kürzlich den Änderungsvorschlag BIP-110 zu Fall gebracht hat. Saifedean Ammous Der Bitcoin-Standard Aprycot Media 400 SeitenAprycot MediaSaifedean Ammous hat bereits 2018 in seinem Klassiker „Der Bitcoin-Standard“ erklärt, warum Bitcoin keine Konkurrenten zu fürchten hat. Bitcoin ist für ihn das einzige dezentrale Geld, alle anderen Krypto-Assets sind zentralisierte Kopien. Außerdem erklärt der Ökonom den Gegensatz zwischen dem staatlichen Geldmonopol (dem Fiat-System) und Bitcoin. Wer diese Geschichte kennt, versteht leichter, warum Donald Trump Bitcoin während seiner ersten Amtszeit noch als Gefahr für das staatliche Geldsystem gesehen hat, warum er auch jetzt noch lieber eigene Krypto-Tokens ausgibt, statt nur auf Bitcoin zu setzen – und was der „Clarity Act“ eigentlich regeln will, wenn der Staat auf das Bitcoin-Protokoll selbst keinen Einfluss nehmen kann. Wenn man Eric Yakes und Saifedean Ammous gelesen hat, versteht man besser, wo die staatlichen Hebel liegen: an den Schnittstellen zur Fiat-Welt. Ben Mezrich Bitcoin-Milliardäre Redline 352 SeitenRedline VerlagVergnüglich zu lesen ist der biografische Roman „Bitcoin Billionaires“ von Ben Mezrich über die Winklevoss-Zwillinge, die nach einem Rechtsstreit mit Mark Zuckerberg um Facebook massiv in Bitcoin investiert haben. Man erfährt viel über die wilden Anfangszeiten und den Versuch der Regulierer, das unkontrollierbare Protokoll doch irgendwie zu zähmen. Mehr dazu