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Emanuel Sanchez: Der Mann hinter dem ersten Bitcoin-Shop in Wien

Die Presse: Sie haben im Jahr 2014 einen der ersten physischen Bitcoin-Stores im deutschen Sprachraum gegründet. Wie sind Sie dazu gekommen?Emanuel Sanchez de la Cerda: Das ist eine lustige Geschichte. Ich. . .

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Emanuel Sanchez: Der Mann hinter dem ersten Bitcoin-Shop in Wien

Die Presse: Sie haben im Jahr 2014 einen der ersten physischen Bitcoin-Stores im deutschen Sprachraum gegründet. Wie sind Sie dazu gekommen?Emanuel Sanchez de la Cerda: Das ist eine lustige Geschichte. Ich habe 2013 angefangen, mich mit Bitcoin zu beschäftigen, habe mich eingelesen, fand das Ganze super spannend und habe beschlossen, ich brauche jetzt auch mindestens einen Bitcoin. Also habe ich versucht, den auf meinem Computer zu minen. Da bin ich schnell draufgekommen, dass das schon zum damaligen Zeitpunkt unmöglich war. Also habe ich mir gedacht, ich kaufe mir einen Bitcoin. Ungefähr 200 Dollar. Die Gebühren bei diversen Börsen waren relativ hoch. Da habe ich bei LocalBitcoins (eine Plattform, auf der man private Handelspartner finden konnte) einen Verkäufer in Wien entdeckt. Wir haben uns in seiner Wohnung getroffen, die gewirkt hat – ja, ich sage jetzt mal – wie ein Umschlagplatz für diverse Substanzen. Ich habe mich nicht ganz wohl gefühlt dort, aber letzten Endes hat alles funktioniert. Ich habe ihm ein paar hundert Euro gegeben und circa 1,8 Bitcoin bekommen. Mein Take-away war aber: Das kann nicht die Erfahrung sein, die ein normaler Mensch haben möchte, wenn er Bitcoin kauft. Das muss seriöser gehen, ohne Treffen in zwielichtigen Wohnungen. Das war der Anstoß für den Store. Bitcoin hatte damals das Image eines Hacker-Geldes. Was hat Sie daran fasziniert?Für mich war das absolut faszinierend. Ich konnte am Anfang gar nicht glauben, dass das, was versprochen wurde, dieses zensurresistente, dezentrale Geld, wirklich möglich ist. Und ich bin total reingekippt, ich habe ja einen technischen Background, ich bin wochenlang gesessen und habe mich eingelesen und habe immer wieder Fragen in meinem Kopf aufgeworfen: Was passiert, wenn ich das doppelt ausgebe? Oder was ist, wenn einer versucht, das Bitcoin-Netzwerk anzugreifen? Und es war irrsinnig spannend zu sehen, dass jede dieser Fragen eine Antwort hatte. Das hat mich total begeistert, und da war ich dann ein voller Fan. Was haben Sie damals beruflich gemacht?Ich habe Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik studiert und nebenbei selbstständig gearbeitet, habe Websites erstellt und Baupläne digitalisiert. Und Sie dachten, dass Sie von dem Store leben könnten?Damals dachte ich, vielleicht zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Deswegen habe ich das Ganze so hochgezogen, dass es neben meiner selbstständigen Arbeit funktioniert hat. Das war auch eine gute Entscheidung, denn in den ersten Jahren habe ich im ganzen Jahr so viel Umsatz gemacht wie später in einer Woche. Zur PersonEmanuel Sanchez de la Cerdahat das Bitcoin-Geschäft bitcoin. wien gegründet, das heuer vom Grazer Bitcoin-Broker Coinfinity übernommen wurde. Sanchez ist weiterhin Kooperationspartner. Außerdem ist er Ingenieur und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger. Sie haben damals direkt Bitcoin verkauft. Ich habe direkt Bitcoin verkauft. Der Anfang war spannend aus regulatorischer Sicht. Ich habe bei der FMA angerufen und mich erkundigt, ob ich irgendwelche Konzessionen oder Zulassungen benötige. Von der FMA habe ich die Antwort bekommen: „Da sind wir nicht zuständig. “ Was damals auch so war. Also haben wir gedacht, gut, wenn die das sagen, wird es das sein. Wenn jemand Bitcoin kaufen wollte, hat er mit mir einen Termin vereinbart, ist ins Geschäft gekommen und hat gesagt, wie viel er kaufen möchte. Nach der Zahlung habe ich die Bitcoin geschickt. Mehr dazuDie Interviewserie heißt „Über Geld spricht man“. Was reden Sie mit Ihren Kunden über Geld?Das Erste, was jeder gerne wissen würde, wenn er zu uns kommt, ist: „Wie entwickelt sich der Bitcoin?“ Meine Standardantwort ist dann: „Ich bin kein Hellseher, ich kann es nicht wissen. “ Die Leute wollen auch wissen: „Wann ist der ideale Zeitpunkt zu kaufen?“ Das ist aber in Wirklichkeit die gleiche Frage, nur anders formuliert. Am Ende des Tages läuft es darauf hinaus, dass ich den Kunden erkläre, warum Bitcoin anders ist. Ich versuche, die Leute abzuholen, die vielleicht aus den falschen Motiven kommen, und ihnen zu erklären, warum sie zufällig doch bei dem richtigen Ding gelandet sind. Was ist ein falsches Motiv?Falsch ist vielleicht ein bisschen hart formuliert, aber das klassische Motiv ist, schnelle Gewinne zu machen. Und was ist ein guter Grund, um Bitcoin zu kaufen?Es gibt viele gute Gründe für Bitcoin. Es ist hartes Geld, das nicht gesteuert ist, es gibt keine zentralen Kontrollinstanzen. Die Hauptgründe, warum ein Großteil der Leute, die dann hierherkommen, bei Bitcoin bleiben, sind zwei. Man kann mit Bitcoin sein Portfolio diversifizieren. Einerseits ist es eine andere Anlageklasse, die sich nicht notwendigerweise mit dem Markt bewegt. Andererseits gibt es auch Diversifikation bei der Verwahrung. Wertpapiere liegen auf einem Depot bei einer Firma. Immobilien sind standortgebunden. Bei Bitcoin kann ich selbst die Kontrolle haben. Ich bin bei der Verwahrung nicht auf eine andere Person angewiesen, die mir meine Bitcoin sperren oder einfrieren könnte. Das ist etwas, was ich bei fast keiner anderen Anlageklasse habe. Außer wenn ich mir Gold in den Tresor lege. Aber Bitcoin kann ich jederzeit mitnehmen und binnen Sekunden transferieren. Das ist das, was Bitcoin so wertvoll macht. Über Geld spricht manÜber Geld spricht man nicht? Wir schon. In dieser Gesprächsreihe fragen wir Menschen aus Kultur, Wirtschaft und Sport seit mehr als einem Jahrzehnt, wie sie ihr Geld investieren, wo sie es ausgeben und was sie bisher riskiert haben. https://www. diepresse. com/wirtschaft/uebergeldWer sind die typischen Kunden?Wir haben wirklich alles quer durch die Bank. Wir haben den kompletten Anfänger, der nicht mal weiß, was was Bitcoin überhaupt ist, bis hin zu Leuten, die tiefst im Space drinnen sind, die sich mit Gleichgesinnten austauschen wollen, die vielleicht Hardware-Wallets kaufen wollen, ohne ihre Kreditkartendaten oder Adressdaten angeben zu müssen. Denn das hat es ja schon gegeben, dass durch Leaks oder Hacks Kundendaten gestohlen wurden und dann Hacker sehr wertvolle Daten hatten, wer eine Hardware-Wallet gekauft hat und wo er wohnt. Auch von der Höhe der getätigten Investments ist bei uns fast alles vertreten. Wir haben Kunden, die nur für ein paar hundert Euro Bitcoin kaufen, wir haben auch Kunden, die für mehrere Millionen Euro Bitcoin kaufen. Wir halten dabei keinen einzigen Satoshi für die Kunden. Was verkaufen Sie alles? Hardware-Wallets, Bitcoin-Merch und Bitcoin?Genau. Unser Hauptgeschäft ist, Bitcoin zu verkaufen und technische Beratung. Wir versuchen, den Kunden beizubringen, wie man Bitcoin selbst verwaltet. Natürlich geht das nicht in einer kurzen Session. Deswegen haben wir jetzt, seit Coinfinity mit dabei ist, eine Education-Schiene. Wir bieten Bücher vom Verlag Aprycot Media an. Wenn ein Kunde hierherkommt, können wir ihm basierend auf seinem Wissensstand Bücher empfehlen, die entweder für Kompletteinsteiger sind oder für Leute, die tiefer reingehen wollen. Und wir haben Merch-Artikel, sprich T-Shirts, Kappen, Hoodies. Wir haben Hardware-Wallets von allen möglichen Herstellern, auch Wallets mit Experten-Features für fortgeschrittene User. Und wenn jemand seine Seed-Phrase in Stahl oder Titan verewigen möchte, kann er bei uns kaufen, was er dafür braucht. Bitcoin ist gerade im Bärenmarkt. Spüren Sie das vom Kundenaufkommen her?Ja, wir spüren das natürlich. Wenn Bitcoin wieder ein Allzeithoch hat und alle Medien darüber berichten, dann kommen die Leute in Scharen. Aber es ist auch so, dass Kunden, die schon länger dabei sind, diesen Bärenmarkt ausnutzen, um zu günstigeren Preisen wieder nachzukaufen. Was natürlich der Idealfall ist. Aber man kann halt nicht vorhersagen, wo der Kurs morgen oder übermorgen stehen wird. Sie wurden kürzlich von dem Grazer Bitcoin-Broker Coinfinity übernommen. Warum?Der Hauptgrund war, dass durch dieEU-Regulierung MiCAR seit heuer in Österreich keine Krypto-Dienstleistungen mehr angeboten werden dürfen, ohne dass man diese Zulassung hat. Mit der Zulassung geht ein riesiger Berg an Compliance-Aufwand einher, der für eine kleine Firma, wie es Bitcoin. wien war, regulatorisch nicht möglich war. Coinfinity hatte gerade die ideale Größe und hat knapp vor Ende der Frist die Zulassung bekommen. Sie waren für uns ein perfekter Partner, weil sie vom Mindset her sehr ähnlich sind. Sie wollen den Leuten beibringen, was Bitcoin ist. Es geht ihnen nicht darum, dass der Kunde so viel tradet wie möglich, damit sie möglichst hohe Gebühren einstreifen. Zusätzlich hat Coinfinity in Graz ja auch eine physische Location. Sie können ihr Konzept jetzt auch in der Hauptstadt anbieten, wo man viel mehr Leute erreicht. Mehr dazuBitcoin wird als Zahlungsmittel noch relativ selten akzeptiert. Ja, das ist ein bisschen schade. Als ich angefangen habe, habe ich mir das eigentlich anders vorgestellt. Wir waren auch schon auf einem guten Weg. Leider ist es unter anderem durch die Steuergesetzgebung ein bisschen schwieriger gemacht worden. Aber ich glaube, da kann man Wege finden, man könnte das mit Apps automatisieren. Hat Sie das im Laufe der Jahre ernüchtert?Es hat sich Realismus eingestellt. Aber es war spannend zu sehen, wie sich die Regulatorik entwickelt hat. Ich sehe das positiv, weil es Bitcoin in der normalen Welt legitimiert. Ich hätte mir auch nie gedacht, dass der Kurs in wenigen Jahren von 200 Dollar auf 100. 000 Dollar gehen wird. Dafür dachte ich, dass die Adoption als Zahlungsmittel schneller gehen würde. Aber so lernt man halt immer dazu.

Quelle: diepresse.com

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