Bitcoin vor Richtungsentscheidung: Das bremst die Erholung noch
Bitcoin-Beschilderung am Times Square in New York. Foto: Michael Nagle/Bloomberg. Der Bitcoin profitiert zum Wochenstart von der Entspannung im Nahen Osten und fallenden Ölpreisen. Das freundlichere. . .

Bitcoin-Beschilderung am Times Square in New York. Foto: Michael Nagle/Bloomberg. Der Bitcoin profitiert zum Wochenstart von der Entspannung im Nahen Osten und fallenden Ölpreisen. Das freundlichere Makroumfeld sorgt wieder für mehr Risikobereitschaft und stützt die Kryptowährung oberhalbvon 65. 000 US-Dollar. Doch ausgerechnet institutionelle Anleger senden ein Warnsignal. Aus den viel beachteten Bitcoin-ETFs fließt wieder Kapital ab. Damit steht die Erholung bereits auf dem Prüfstand. Entscheidend wird nun sein, welches Signal am Ende mehr Gewicht bekommt. Bitcoin-Erholung: Makro gibt RückenwindNach den jüngsten Signalen der Deeskalation zwischen den USA und dem Iran hat sich die Stimmung an den Finanzmärkten spürbar aufgehellt. Derdeutliche Rückgangdes Ölpreises dämpft die Sorge vor einer neuen Inflationswelle. Dadurch sinkt auch der Druck auf dieAnleihemärkteund die Erwartungen an eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank gehen etwas zurück. Genau dieses Umfeld spielt risikoreichen Anlagen wie Bitcoin in die Karten. Die Entwicklung der vergangenen Monate zeigt ohnehin, dass sich Bitcoin immer stärker an makroökonomischen Faktoren orientiert. Ölpreis, Inflation, Anleiherenditen und Geldpolitik bestimmen den Takt inzwischen oft stärker als Nachrichten aus der Kryptobranche selbst. Fed bleibt das Zünglein an der WaageOb die Erholung Bestand hat, dürfte deshalb vor allem von der US-Notenbank abhängen. Lassen die Inflationsrisiken weiter nach und nimmt der Druck auf die Fed ab, könnte sich das Umfeld für Bitcoin weiter verbessern. Wie Bloomberg berichtet, bleibt die Unsicherheit trotz der jüngsten Erholung hoch. Die jüngsten ETF-Abflüsse und diefragile Marktstimmungseien vor allem auf die Unsicherheit rund um den Clarity Act sowie auf gestiegene Erwartungen einer schnelleren Zinserhöhung durch die Fed zurückzuführen. „Wir erwarten, dass die makroökonomische Unsicherheit in dieser Woche anhält. Für Bitcoin bleiben wir jedoch strukturell optimistisch“, sagte Ivan Lim, Senior Derivatives Trader bei FalconX. ETF-Anleger treten auf die BremseTrotz der freundlicheren Rahmenbedingungen fehlt bislang der entscheidende Vertrauensbeweis der institutionellen Anleger. Nachdem die US-Spot-Bitcoin-ETFs zuvor an sieben Handelstagen in Folge Zuflüsse verzeichnet hatten, flossen am 23. und 24. Juli zusammen mehr als 465 Millionen US-Dollar ab. Vor allem der iShares Bitcoin Trust (IBIT) von BlackRock belastete die Statistik. Vorsichtige Stimmung bremst Zuflüsse in Bitcoin-ETFsImmerhin schlossen die ETFs die Woche noch mit einem kleinen Nettozufluss von 33,8 Millionen US-Dollar ab. Es war bereits die dritte Woche in Folge mit positiven Kapitalflüssen, nachdem Anleger zuvor innerhalb von acht Wochen rund 8,3 Milliarden US-Dollar aus den Fonds abgezogen hatten. Die kräftigen Abflüsse zum Wochenschluss zeigen jedoch, wie schnell institutionelle Investoren derzeit wieder Risiko aus dem Markt nehmen. „Die nächsten Handelstage werden entscheidend sein“, sagte Rachael Lucas von BTC Markets. Stabilisieren sich die ETF-Kapitalflüsse, dürfte es sich lediglich um eine ereignisbedingte Pause handeln. Eine zweite Woche mit Nettoabflüssen wäre dagegen deutlich kritischer. Jetzt entscheidet diese MarkeOb sich diese Zurückhaltung der institutionellen Anleger auch im Chart widerspiegelt, zeigen nun die entscheidenden Kursmarken. Aus charttechnischer Sicht bleibt das übergeordnete Bild zunächst angeschlagen. Der laufende Bärenmarkt dürfte noch nicht abgeschlossen sein. Sowohl der Bitcoin-Vierjahreszyklus als auch verschiedene Zeitzyklusmodelle sprechen dafür, dass eine nachhaltige Bodenbildung erst im September oder wahrscheinlicher im Oktober erfolgen könnte. Bis dahin sind weitere Schwächephasen möglich, wobei der Bereich um 40. 000 US-Dollar weiterhin als potenzielles Korrekturziel einer finalen Abwärtsbewegung gelten könnte. Kurzfristig hat sich das Bild jedoch etwas aufgehellt. Im Fokus steht nun der Widerstandsbereich zwischen 66. 000 und 67. 000 US-Dollar. Erst ein nachhaltiger Ausbruch darüber würde die Tür für eine Ausweitung der Erholung in Richtung 69. 000 bis 72. 000 US-Dollar öffnen. Bis dahin bleibt das Risiko eines Rücksetzers bestehen. Bitcoin legt nach Feuerpause zwischen den USA und dem Iran zuAuch die Saisonalität mahnt zur Vorsicht. Historisch zählt der August in Bärenmarktphasen zu den schwächeren Monaten, nachdem der Juli häufig eine zwischenzeitliche Erholung zeigt. Für den Bitcoin hat sich das makroökonomische Umfeld zuletzt spürbar verbessert. Ob daraus eine nachhaltige Rally entsteht, dürfte nun vor allem von zwei Faktoren abhängen: den Erwartungen an die Geldpolitik der Fed und der Bereitschaft institutioneller Anleger, wieder Kapital in Bitcoin-ETFs zu investieren. Die kommenden Tage dürften zeigen,welches Signalstärker wiegt. Davon hängt auch ab, ob Bitcoin den nächsten Angriff auf die Marke von 66. 500 US-Dollar starten kann oder die Korrektur zunächst noch einmal an Fahrt gewinnt. FMW/BloombergÜber den RedakteurStefan JägerFinanzjournalist und TraderStefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets. Kommentare lesen und schreiben, hier klicken