Auch im Juli 2022 schien sich Bitcoin zu erholen – dann kam es. . .
Der Juli ist für Bitcoin gut angelaufen. Zeitweise kostete eine Einheit wieder 65. 000 Dollar, nachdem der Kurs im Juni unter 60. 000 Dollar gefallen war. In sozialen Medien melden sich Optimisten zurück. . . .
Der Juli ist für Bitcoin gut angelaufen. Zeitweise kostete eine Einheit wieder 65. 000 Dollar, nachdem der Kurs im Juni unter 60. 000 Dollar gefallen war. In sozialen Medien melden sich Optimisten zurück. Bitcoin-Analyst PlanB wiederholte seine Ansicht, dass der Bullenmarkt intakt sei und Bitcoin noch in diesem Zyklus (2026 bis 2028) auf 500. 000 Dollar klettern werde. Die meisten Nutzer vertreten freilich die Ansicht, dass Bitcoin sich im Bärenmarkt befindet. Doch könnte der Boden erreicht sein?Es bestehe immer das Risiko eines plötzlichen Ausverkaufs im Zuge von Schocks an den Finanzmärkten, der Bitcoin oder Aktien ins Trudeln bringen könnte, schreibt Alex Kuptsikevich, Chefanalyst beim Londoner Online-Broker FxPro, in einem Marktkommentar. „Doch auf solche Momente zu warten, ist eine undankbare Aufgabe. Unter solchen Bedingungen erscheint der Kauf in einem ruhigen Markt zu weniger als der Hälfte der Höchststände als eine durchaus vernünftige Taktik für die kommenden Tage oder Wochen. “Nachlassende ZinsängsteDie Erholung könnte auch mit nachlassenden Zinsängsten zu tun haben, meint Konstantinos Chrysikos in einem Ausblick des Brokers Kudo. com. Inflationsdaten in den USA haben kürzlich die Hoffnung genährt, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen heuer nur noch einmal statt zweimal anheben könnte. Wenn die USA nun auch noch den Clarity Act zur Regulierung von Kryptowerten beschließen, würde das dem Krypto- und Bitcoinmarkt massiv helfen. Uneinigkeiten über Ethikklauseln (betreffend Kryptogeschäfte von Regierungsmitgliedern) blockieren das Verfahren. US-Präsident Donald Trump und seine Söhne haben Milliarden mit Krypto-Assets verdient. Wird das Gesetz beschlossen, gäbe es endlich Klarheit, welche Behörden für welche Kryptowerte zuständig sind. Für Bitcoin wäre es die Rohstoffbehörde CFTC. Institutionelle Investoren, denen das regulatorische Risiko noch zu hoch ist, könnten dann investieren. In Japan gibt es bereits Rechtssicherheit. Dort wurden Kryptowerte kürzlich als Finanzinstrumente anerkannt. In Pakistan gab es hingegen einen kleinen Rückschlag: Dort haben islamische Gelehrte entschieden, dass der Kauf von Kryptowährungen nach der Scharia unzulässig ist. Die Fatwa, ein islamisches Rechtsgutachten, steht im Widerspruch zu einem Gesetz über digitale Vermögenswerte, das heuer verabschiedet wurde. Doch gibt es in der islamischen Welt auch Stimmen, die Bitcoin als schariakonform sehen, so schlimm ist diese Sache daher nicht. Für Bitcoin sieht es also gar nicht mehr so schlecht aus. Trügerische Sommerruhe 2022Doch das tat es auch im Sommer 2022 nicht. Der Kryptosektor hatte eine schlimme Phase hinter sich: Ein Stablecoin von Terra/Luna, der eigentlich an den Dollar gekoppelt sein sollte, entkoppelte sich und stürzte ins Bodenlose. Das riss zahlreiche Krypto-Dienstleister mit sich. Die Plattform Celsius ging ebenso pleite wie der Krypto-Hedgefonds Three Arrows Capital. Bitcoin stürzte allein im Juni von mehr als 30. 000 Dollar auf zeitweise unter 18. 000 Dollar ab. Doch dann schien sich ein Boden zu bilden. Was sollte jetzt noch Schlimmes kommen, dachten viele Anleger. Und was hatte Terra/Luna schon mit Bitcoin zu tun? Der Bitcoin-Preis erholte sich binnen zwei Monaten um 37 Prozent. Doch es handelte sich um eine Bullenfalle. Mitte August stellte US-Notenbankchef Jerome Powell klar, dass die Zinsen länger hoch bleiben würden. Bitcoin gab wieder nach und dümpelte seitwärts, bis die Pleite der Kryptobörse FTX – wieder ein Ereignis, das nichts mit Bitcoin zu tun hatte – den Preis unter 16. 000 Dollar drückte. Auf einen BlickDas Bitcoin-Netzwerkbesteht aus Nutzern, Programmierern (sie verfeinern den Code), Nodes (sie prüfen Blöcke auf Gültigkeit) und Minern (sie hängen Blöcke mit Transaktionen an die Blockchain an und schützen das Netzwerk durch ihren riesigen Rechenaufwand). Etwa alle zehn Minuten finden sie einen Block, für den sie sich neue Bitcoin gutschreiben dürfen. Ein Steuerungsmechanismus im Code sorgt dafür, dass der Abstand bei etwa zehn Minuten bleibt. Auch vier Jahre davor, im Juli 2018, wieder mitten im Bärenmarkt, erlebte Bitcoin eine Scheinerholung um 33 Prozent. Auslöser waren Short-Squeezes (Investoren, die auf einen fallenden Bitcoin-Preis gewettet hatten, mussten sich mit Bitcoin eindecken) sowie die Hoffnung, dass die US-Börsenaufsicht einen Bitcoin-ETF genehmigen würde. Und war Bitcoin, das sieben Monate zuvor noch 19. 000 Dollar gekostet hatte und nun um 6000 Dollar zu haben war, nicht genug gefallen? Doch dann wurden keine Bitcoin-ETFs genehmigt, das sollte erst sechs Jahre später passieren. Der Preis rutschte ab, bewegte sich monatelang lustlos seitwärts und fiel im November auf 3200 Dollar. Erst dann war das Tief erreicht. Mehr dazuUnd wieder ist JuliJetzt ist wieder ein Juli in einem Bärenmarktjahr. Wieder scheint sich Bitcoin zu erholen. Wieder hängen Damoklesschwerter in der Luft. Wie die Vergangenheit gezeigt hat, müssen die Auslöser, die Bitcoin zum Absturz bringen, weder besonders bedeutsam sein noch mit Bitcoin im engeren Sinn zu tun haben. Ein Scheitern oder eine Verschiebung des Clarity Acts wäre ein solches Ereignis. Michael Saylors Firma Strategy oder ein anderer großer Bitcoin-Halter könnte Probleme bekommen. Die US-Regierung könnte Tether, dem weltgrößten Stablecoin-Anbieter, so zusetzen, dass der ganze Kryptosektor ins Wanken gerät. Oder es könnte zu einem Aktiencrash kommen und Anleger ihre Bitcoin verkaufen, um sich Liquidität zu verschaffen. Vielleicht kommt es gar nicht so schlimm. Die Geschichte reimt sich ja nur. In dem Fall mahnt sie aber zur Vorsicht.